“Isch gratuliere” – Horst Schlämmer zu seinem Viral-Marketing
7 Aug 2009 | veröffentlicht von thomas |Mit seinen Aktivitäten auf YouTube, Facebook, Twitter , Flickr , StudiVZ und der eigenen Website http://www.waehle-schlaemmer.de/Â bietet Horst Schlämmer aka Hans-Peter Wilhelm Kerkeling die derzeit im deutschen Sprachraum wohl beeindruckendste Übersicht über die Werkzeuge effektiver Viral-Marketing-Kampagnen.
Trotzdem ist dies nicht die neue Messlatte für Viral-Marketing.
alles genutzt
Die ausführende Agentur Ad.Public durfte offenbar aus dem Vollen schöpfen und buchstäblich alles austesten, was überhaupt an Spielzeug zur Verfügung steht (in der Aufzählung fehlten u.a. noch: iTunes Podcast Channel, Handy-Wallpaper, “isch unterstütze-Widget” für die eigene Website, das gesamte Spektrum des Bloggings, Sharings und Bookmarkens).
Alle Einzelmaßnahmen sind sauber umgesetzt, intensiv verzahnt und offenbar erfolgreich: 4.674 Follower auf Twitter, 47503 finden Schlämmer gut auf StudiVZ usw. Darüber hinaus Fernsehzeiten und Zeitungsseiten als kostenlose Werbung für Kerkelings/Schlämmers Kinofilm “Isch kandidiere” die das Marketingbudget der Conctantin Film ansonsten nur zähneknirschend hergegeben hätte.
hätte alles nichts genutzt
Ohne Zweifel also eine erfolgreiche und gut gemachte Kampagne, die jedoch über eines nicht hinweg täuschen kann: auch und besonders im Viral-Marketing zählen Inhalt und Idee. Kurz gesagt: die Kampagne ist nicht deshalb erfolgreich, weil Konzeption und Umsetzung so überragend sind (obwohl sie natürlich sehr gut sind). Die Kampagne ist deshalb erfolgreich, weil Kerkeling einfach unterhaltsame und professionell produzierte Inhalte liefert. Würde man über Schmlämmer nicht so herzhaft lachen, wäre die Kampagne nicht so erfolgreich.
Das, und nicht nicht in erster Linie der Einsatz der Einzelwerkzeuge, ist der Grund, dass Schlämmer z.B. auf Youtube innerhalb von wenigen Wochen erreicht, wofür die politischen Parteien Jahre gebraucht haben.
- Die Grünen  (1.022 Abonnenten, seit Mai 2006)
- CDU (1.201 Abonnenten, seit August 2008)
- Horst Schlämmer (867 Abonnenten innerhalb von sechs Wochen!)
Ohne vernüftige Inhalte nützt die beste Kampagne nichts.
ohne Nutzer
Ebenso hilfreich dürfte gewesen sein, dass als Ziel der Kampagne die Bewerbung des Kinofilms “Isch kandidiere” steht. Die Kernzielgruppe des Kinos als klassisches junges Medium (was die Besucher angeht) ist erfreulicherweise altersmäßig deckungsgleich mit den Nutzern der gängigen Social Media Plattformen (Xing mal ausgenommen, aber da ist Herr Schlämmer ja auch nicht vertreten). Bei einer solch traumhaften Passung macht eine Viral-Kampagen sowohl Sinn als auch Spaß. Der überalterten CDU oder SPD wird das nur schwer gelingen, ebenso einem Großteil der werbetreibenden Unternehmen.
Es bleiben also als Trost für alle Kampagnen-Verantwortlichen, die sich in Zukunft mit dem Erfolg des Schlämmer-Auftritts messen lassen müssen, gleich ein ganzes Bündel Ausreden:
- ein zugkräftiger Promi wie Kerkeling steht meist (mangels Budget) nicht zur Verfügung
- so starke Inhalte wie Schlämmer müssen einem auch erstmal einfallen
- mit der Constantin und dem zugehörigen PR-Apparat lässt sich die kritische Masse an Presse-Veröffentlichungen und damit der Schritt “Vom Internet-Phänomen in die Tagespresse” wesentlich leichter realisieren
- und eine so schön passende Zielgruppe bringt auch nicht jeder Kunde mit.
Also: nicht aufgeben. halb so erfolgreich wie HSP ist immer noch ganz ordentlich! Und an Kerkeling und Ad.Public: “isch gartuliere!”
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